August 10, 2009

GI Joe – Rise of the Cobra

Posted in Sehen um 1:21 pm von deadra

Ok…die wichtigsten Kleinigkeiten vorweg:

1. Ja. Ich hab’s angeschaut. Weil in mir drin irgendwo ein kleiner Bub steckt, der auf Actionfiguren steht. (Derselbe kleine Bub freut sich auch wie irr auf He-Man *sigh*) Ihr seid nicht wirklich überrascht, oder? Nah.
2. Ihr solltet für diesen Film auf keinen Fall Geld ausgeben…und zwar in keiner Form. Nicht ins Kino gehen. Nicht auf die DVD warten und dann ausleihen. Nicht einmal im Fernsehen anschauen – sogar dafür gibt’s noch Lizenzgebühren für Paramount. Wer drüber lachen will soll ihn sich runterladen. Noch habe ich nämlich die Hoffnung, dass der Film so enttäuschend läuft, dass die Fortsetzung im Rohr krepiert. Es wäre besser so. Aber vermutlich gibt’s noch mehr solche Deppen wie mich (darunter zB auch echte kleine Buben…und ehemalige kleine Buben), also ist die Hoffnung nur ein flackerndes Lichtlein am Ende des Tunnels.
3. Ich hab‘ ewig überlegt ob ich das hier auf Deutsch oder Englisch schreiben soll. Irgendwie fällt mir auf Englisch das Fluchen leichter…aber ich hab‘ den Film auf Deutsch gesehen und käme mir dementsprechend irgendwie blöd vor. Daher also Deutsch, mit der gelegentlichen englischen Interjektion. (HA – der Film hat mich nicht völlig verblöded…ich kenne noch Wörter mit 4 Silben!!!)
4. Weil es sich – trotz Punkt 2 – so gehört und manche Leute es einfach nicht besser wissen, es folgen SPOILER.
5. Um das ganze Ausmaß der Schlechtheit zu erfassen müsste ich ins Detail gehen und wirklich alles ganz genau wiedergeben, so ähnlich wie kalafudras Bookbitching. Das hab‘ ich versucht, aber nach 3 Stunden Arbeit an diesem Post war ich nicht einmal bei der Hälfte des Films und hatte schon „wichtige“ Details ausgelassen (der ganze Film ist ein bisschen sehr wirr, wenn man bedenkt, dass es kaum Twists gibt), also lass ich es bleiben. Es ist nicht zu schaffen ohne mir den Film nochmal anzutun, und das will ich nun wirklich nicht. Wer will, kann sich mein Filmbitching-Fragment mailen lassen, aber hier stell ich’s nicht rein.

Aaaaalso…ich fange wieder mit dem Einfachsten an, in diesem Fall mit den Menschen, die diesen Film mitzuverantworten haben. Regie führt Stephen Somers, dessen zwei Mumien-Filme zu meinen persönlichen Guilty Pleasures gehören. Sie sind kultig. Andererseits hat er auch Van Helsing auf seinem Lebenslauf stehen. Ein dunkler Fleck in der Vergangenheit aller Beteiligten…so gesehen weiß er also schon wie sensationell er versagen kann. Und es war furchtbar. Die Actionszenen, die der Mann eigentlich drauf haben sollte, wenn er schon sonst nix kann, waren komplett wirr. Und der Rest des Films (und wenn man bedenkt, dass ich hier von einer Spielzeugverfilmung spreche, ist das ein erschreckend großer Teil) war noch schlimmer. Wenn es sowas wie ein Gericht für Filmemacher gäbe, dann müsste man für Stephen Somers ein lebenslanges Rückblendenverbot erwirken. Er hat sie nicht nur zu oft verwendet, nein, davor kam noch jedesmal eine Nahaufnahme vom traurigen/grimmigen/geschockten Gesicht des sich Erinnernden…und dann ein weicher Cut. Das ist schon kriminell nah an einem Softporno Cut mit verschwimmendem Bildrand und Harfenklängen. *würg* Und dann waren da noch besonders peinliche Momente von Hach-was-bin-ich-doch-clever-tum. Von einem superschnellen high-tech Kampfjet in einer Verfolgunsjagd auf ein superschnelles high-tech Kampfuboot in einer Verfolgungsjagd in genau derselben Einstellung zu schneiden…sooo innovativ. Eben noch in der Stratosphäre, jetzt schon unter den Polarkappen (und demnächst auf unserer SHOWBÜHNE!!!).

Ich würd‘ auch gern was über die Schauspieler sagen, vor allem über Christopher Eccleston, aber es geht nicht. Es gibt nichts zu sagen. Die paar von ihnen, die sich die Seele aus dem Leib hätten spielen können, hatten keine Chance gegen das Drehbuch. Und die anderen…hatten sowieso gegen nix eine Chance.

Ok…ich hab‘ es lang genug vor mir hergeschoben. Die Story:

Waffenhändler James McCullen hat eine revolutionäre Waffe entwickelt: Nanobots, die darauf programmiert werden können alles zu fressen, was ihnen in den Weg kommt. Metall, beispielsweise. Sie hören erst auf, wenn man ihnen ein Stopsignal schickt…sonst fressen sie einfach unaufhaltsam immer weiter. Er hat das mit dem Geld der NATO entwickelt und will die Waffen aber sofort nach Verkauf wieder zurückstehlen um sie selber zu benutzen. Dabei hat er die Rechnung aber ohne GI Joe gemacht. GI Joe ist eine supergeheime Sondereinheit unter dem Kommando von General Hawke, die streng genommen gar nicht existiert. Aber würde sie existieren, dann wären sie die besten Soldaten aller Länder, mit der besten Ausbildung und der besten Ausrüstung. Das Elite-Team von GI Joe stellt sich dem bösen McCullen in den Weg, aber sie können nicht verhindern, dass er einen Koffer mit vier Sprengköpfen an sich bringt (warum auch immer…spätestens nach 20 Minuten im Film wissen sie, dass er dahinter steckt – da hätte er sich die Mühe auch gleich sparen können und Nanobots aus seiner eigenen Fabrik nehmen können…aber ok). Den ersten lässt er testen indem er den Eiffelturm zerstört (er hat was gegen Frankreich…lange Geschichte). Die anderen drei lädt er auf Trägerraketen in seinem eigenen supergeheimen Stützpunkt unter dem arktischen Eis. Je eine Rakete für Peking, Moskau und Washington. Der Plan besteht darin, dass die Welt durch die Zerstörung im Chaos versinkt und sich vereint hinter den mächtigsten Mann der Welt stellt, und zwar hinter den amerikanischen Präsidenten. Der hat praktischerweise einen von McCullen entwickelten Schutzbunker, in dem er so einen Nanobot-Angriff überleben könnte. Darin wartet nur leider schon ein durch Nanobots umoperierter Doppelgänger, der den Präsidenten ersetzen soll. Im Endeffekt (nach jeder Menge wirrer Explosionen, 50.000 Rückblenden um emotionalen Tiefgang vorzutäuschen, einer komplett idiotischen Verfolgungsjagd durch Paris, einer U-Boot-Schlacht und einem Ninja-Kampf in einer überdimensionierten Tesla-Spule) ist der Eiffelturm zwar hin, aber Moskau, Peking und Washington sind sicher. Nur war das mit Washington ein bisschen knapp, der Präsident war schon im Bunker und ist dementsprechend gegen einen Soziopathen ausgetauscht. Aber sonst ist alles ein Happy End. Go Team!

Der Film ist im Prinzip nix anderes als Prolog für die Fortsetzung. Es gibt genau einen Twist, den ich nicht kommen gesehen habe. Und der ist eigentlich nichts weiter als ein unglaublicher Spoiler für den nächsten Film. So nach 3/4 der Zeit gehen meine Augenbrauen hoch, mit „Ooooooh, Hawk wird von Nanobots kontrolliert und ist eigentlich böse!!! Überraschen sie mich vielleicht doch noch?“ Und dann machen sie nix damit. Sie verraten diesen unglaublichen Twist, aber am Ende ist Hawk immernoch lächelnd im Kreise seiner Joes und niemand weiß was er vorhat. Das hätte im zweiten Film so ein schöner „Oh Shit!!!“-Moment werden können. Aber nein. Es ist immer besser man warnt das Publikum schon vor. Am besten ein oder zwei Jahre vorher. Damit auch ja jeder mitbekommt, was passiert, wenn er dann im zweiten Film plötzlich seine eigenen Leute tötet, böse grinst und verkündet „Ich werde von Nanobots kontrolliert und bin eigentlich böse, HA HA HA HA!!!“. (Wobei…wenn der Film so wird wie dieser hier, dann ist diese Vorstellung wahrscheinlich nochviel subtiler als das, was dann im Endeffekt tatsächlich passiert.)

Wer eine genaue Idee von der Lächerlichkeit dieses Films haben will, der soll sich folgende Szene vorstellen:
Ein junger, tapferer Wissenschaftsoffizier hat in einem feindlichen Bunker, in den  er während eines Gefechts ganz allein reingegangen ist, ein geheimes Nanobot-Labor gefunden. Auf allen Bildschirmen sind Daten von Nanobot-Tests, bzw ganz unauffällige Videos von General Hawk, dem Nanobots injiziert werden (Hint!!!!!). Der tapfere, junge Wissenschaftsoffizier weiß, dass er noch ca. 4 Minuten hat bevor der Bunker in einem Luftangriff von seinen eigenen Leuten zerstört wird. Er staunt also zuerst einmal in aller Ruhe und unterhält sich mit dem eindeutig verrückten Wissenschaftler, in dessen Bunker er sich befindet. (Ganz sicher verrückt…dünne Stimme, nervöse Ticks, heißt Dr. Mindbender  – alles, was noch gefehlt hätte wär ein Igor gewesen) Er kommt nicht einmal auf die Idee den Mann irgendwie im Auge zu behalten, sondern wendet dem verrückten Mann in dem Raum voller scharfer und spitzer Gegenstände (und evtl Waffen) seelenruhig den Rücken zu. Am Ende kommt ihm endlich wieder, dass er eigentlich nicht so wirklich Zeit hat. Also schließt er ein USB-Laufwerk an den Computer an…und macht einen Norton AntiVirus Quickscan bevor er sich Daten runterlädt.

Ich hab‘ online gelesen, dass Paramount sich geweigert hat den Film vorab Kritikern vorzuführen. Damit haben sie den Kritikern einen Gefallen getan.

2 Kommentare »

  1. kalafudra said,

    rofl

    bin ich froh, den nicht gesehen zu haben….

    • deadra said,

      Es war auf jeden Fall ein Erlebnis.

      Und ich hab gestern am Telefon einen weiteren Höhepunkt vergessen:
      Ripcord hat einen feindlichen Düsenjet gekapert und will eine der bösen Raketen abschießen. Aber er findet keinen Abzug für die Raketen, also funkt er zu seinem Team.
      Die sagen, es ist ein suertoller high-tech Jet, also hat er vermutlich Spracheingabe. Ripcord probiert’s aus: „Feuer!“ „Los!“ etc., nix passiert.

      Dann plötzlich die Erleuchtung: McCullen ist Schotte! Du musst die Kommandos in schottischem Gaelisch geben!!! (Und Scarlett kann zufällig schottisches Gaelisch.)
      *headdesk*


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