März 25, 2006

Jeremy Clarkson

Posted in Erleben um 2:15 am von deadra

Es ist wieder mal soweit. Zeit für die glorreiche Rückkehr der Rubrik „England spinnt“.

Mein heutiges Thema ist die britische Institution namens Jeremy Clarkson, seines Zeichens der kontroversiellste Moderator, den die BBC zu bieten hat, außerdem Zeitungskolumnist, Auto-Journalist, Bestseller-Autor („The World According to Clarkson“) und selbsternannter Experte in absolut ALLEM.

Ein arroganter, chauvinistischer, sexistischer, reaktionärer Testosteronsüchtler, der alles verabscheut, was nicht entweder englisch, schnell, extrem leistungsfähig oder in sonstiger Weise macho-mäßig ist. – Mit einem Wort er ist ultimativ unangenehm (und schlecht angezogen).
ABER er ist auch unglaublich unterhaltsam.
Seine aktuelle Sendung, Top Gear, die unter anderem einen internationalen Emmy gewonnen hat, ist ein Paradebeispiel dafür. Offiziell geht es um Autos…aber eigentlich nicht wirklich. Die Autos sind nur eine Entschuldigung für ein Konzept, das brilliante Comedy bedeutet:

Clarkson und seine beiden Co-Moderatoren „besprechen“ in jeder Sendung mehrere neue sowie einige besondere ältere bzw. kultige Autos. Dafür stellen sie sich absolut hirnrissige „Challenges“, bei denen man sich manchmal wirklich fragen muss…

Beispiele?

– Jeremy Clarkson setzt sich in einen nagelneuen Land Rover und lässt sich von einem Challenger-Panzer (scheinbar der beste, garantiert aber der schnellste Panzer der Welt) über die Salisbury Plains jagen und mit Platz-äh-Granaten (?) beschießen. (Fazit: „This is a really, really, really, REALLY good offroader, but if you’re planning on invading a country, take a tank.“)

– Jeremy Clarkson (ja, er bekommt IMMER die lustigsten Ausflüge) versucht sich mit einem neuen Jaguar auf einem zugefrorenen See in Norwegen im Eiskunst-Fahren. („I want a car like this. … Ok, scratch that – I WANT A LAKE LIKE THIS!!!)
– Jeremy Clarkson und einer seiner Kollegen messen sich im Biathlon…Top Gear-Style. Einer hat einen Range Rover, der andere einen Jeep, und während der arme Kollege mit einem normalen Biathlon-Gewehr schießt, springt Clarkson aus seinem Auto und fischt eine P-90 aus dem Kofferraum. (Die Zielscheiben waren danach Schweizer Käse).

Was noch? Er ist in einem Offroader bergauf zum Gipfel von Ben Nevis gefahren, einfach um zu beweisen, dass es geht. Er hat einen Porsche 911 zum Spaß auf einen Wohnwagen fallen lassen, hat einen original-Mini auf Ski montiert, mit einem improvisierten Raketenantrieb ausgestattet und den Holmenkollen „runterspringen“ lassen, eine Chevrolet Corvette von einem Hubschrauber aus mit einem Gatling-Gewehr durchlöchert, einen nagelneuen Nissan Micra gekauft und direkt im Schauraum mit einem Vorschlaghammer völlig demoliert, und mit zwei Teams aus je vier Seat Ibizas „Fussball“ gespielt.
Außerdem hat er Franzosen, Amerikaner, Deutsche, Iren, Österreicher, Italiener, Spanier, Norweger, Waliser, Europäer im Allgemeinen, Ausländer im Allgemeinen, Frauen, ältere Menschen, behinderte Menschen und überhaupt jegliche Art von intelligentem Leben (und einige Arten von weniger intelligentem Leben) beleidigt und sich selbst zum König des idiotischen und oberflächlichen Kommentars gemacht.

Und er hat einen Esel namens Kristin Scott Donkey … Wir lieben ihn ;)

Jeremy Clarkson

3 Kommentare »

  1. le said,

    Auch wenn du mir schon einige Male davon erzählt hast, ist es doch immer wieder amüsant.

  2. abstrakt said,

    Und wer bezahlt die ganzen teuren Schlitten, die da demoliert werden?? Leistet sich das BBC? Davon würde der ORF nicht mal zu träumen wagen…

  3. deadra said,

    Ich weiß nicht genau, wer das zahlt. Ich nehme an das meiste kommt von den Herstellern…schließlich hat es ausgezeichnetes PR-Potenzial. (Vorausgesetzt man hat Vertrauen ins eigene Produkt und ist sicher, dass Clarkson es lieben wird.)

    Aber dass die Beeb sich unverhältnismäßig viel mehr leisten kann als der ORF ist nicht überraschend. Sie bekommen eine (horrende) Lizenzgebühr von fast zehnmal sovielen Haushalten plus staatliche Subventionen (abgestuft: schwarz-weiß, analog, digital) und die Zusatzgebühren für die internationalen Programme (BBC Prime). Sie bieten allein in England acht Programme (plus BBC World und BBC Prime) und 11 Radiosender an – alles digital, online hör- und teilweise schaubar. Und das alles vollkommen ohne Werbung. (Ja, ich bin ein Fan.)


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