06.15.07

whoa..!

Veröffentlicht in Erleben um 6:36 von deadra

Irgendwie ist mir, kurz nachdem ich den vorigen Eintrag gebloggt hatte, der Tag ein kleines bisschen entglitten.

Ich Depp habe mir nämlich ganz genau den falschen Augenblick ausgesucht um wieder einmal einen Moment lang am Kursgeschehen  teilzunehmen.
Da schaut man nur einmal kurz von seinem Bildschirm auf, und schon wird man für eine Rollenspiel-Simulation verpflichtet.
Und was für eine.

Ein Ehepaar – sie will sich scheiden lassen, er nicht…also Zeit für Mediation.

Was ja an sich schon schwierig und anstrengend genug wäre – aber das ganze dann noch mit einer Trainerin zu machen, die offensichtlich keinen Tau davon hat, wie man ein Rollenspiel betreuen MUSS (nicht ‘kann’, nicht ’sollte’, sondern ‘muss’) – dann wird es erst richtig abenteuerlich.

Andrew und ich stürzen uns nichtsahnend in die Rollen und fangen an uns nach allen Regeln der Kunst wehzutun und zu zerfleischen, wie man das halt so macht.
Und nach einer halben Stunde beendet sie die Sitzung „für diese Woche“, steht auf und erklärt anderthalb Stunden Mittagspause.

Keine Hilfe aus der Rolle raus, kein Debriefing, nur die Warnung, dass wir dann später die Sitzung der nächsten Woche auch noch durchspielen.
Autsch.
Ich musste zuerst an die frische Luft um mich irgendwie zu beruhigen – ganz so einfach ist es nicht, von allein aus einer Rolle rauszukommen. Im Endeffekt hab’ ich es dann mit Le’s Hilfe über die Pause endlich geschafft.

…aber um 2Uhr ging der Spaß von vorne los. Und Andrew hatte sich inzwischen überlegt, dass er das ganze noch realistischer machen muss…also wurde er lauter und noch verletzender – jippie.
Und die liebe Trainerin hüpft derweil immerwieder aus ihrer ‘Rolle’ heraus, stellt Fragen an die Gruppe, etc. – das ist total unangenehm, und macht die Erfahrung noch um einiges schlimmer.
Irgendwann hab’ ich mich dann auf den Streit eingelassen, den Andrew scheinbar provozieren wollte, weil ich schon so aufgerieben war – und in GENAU dem Moment, wo wir gerade unkontrolliert eskalieren, bricht sie die ‘Sitzung’ ab, sagt, dass man das im richtigen Leben jetzt irgendwie unterbrechen und regeln müsste, aber dass sie dafür jetzt keine Zeit hat, und springt einige Wochen vorwärts – ‘Let’s pretend that we have reached an agreement! How would you like to write the agreement?’

! ! ! (Wir waren alle beide noch auf 180, mit den Klauen buchstäblich am Hals des anderen, und sie beschließt einfach, dass wir jetzt zu einer Einigung gekommen sind und uns nur noch schriftlich festlegen müssen…)

[MEMO an all diejenigen, die je einen Workshop leiten und dabei Rollenspiele verwenden wollen: Macht das NIE...NIEMALS...UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN!!! ... es ist sch***egal, wie knapp die Zeit ist.]

Und nachdem wir uns mit viel Mühe (und Rollenspielerfahrung, und Trainerausbildung) irgendwie in den erforderlichen Gemütszustand für die Einigung gekämpft haben, geht sie irgendwie übergangslos und stillschweigend von der Simulation (‘You were talking about respect a lot. How would you like that to be reflected…’) in die Vorlesung (‘Any such agreement, says Galtung, must contain these FIVE parts – write this down – …’) über. Und von der kurzen Vorlesung direkt in die nächste Simulation – also war ich OHNE Debriefing oder De-rolling, innerhalb von 2 min plötzlich nicht mehr die verletzte, wütende Noch-Ehefrau und Mutter, sondern die unparteiische, freiberufliche Mediatorin in einer Multi-party/Multi-issue-Mediation.
…wie sich sowas anfühlt lässt sich nur schwer beschreiben.
- Aber die Tatsache, dass ich die gesammelte Wut der Ehefrau ohne Problem auf die inkompetente Trainerin umlenken konnte, war schon ganz hilfreich.

Trotzdem bin ich jetzt müde und ausgelaugt, und mir liegt vor allem der Nachmittag noch schwer im Magen. Vielleicht schau’ ich mir einen Film an, oder so.

Veröffentlicht in Erleben um 8:15 von deadra

Hach, das Leben ist schön.

Ich sitze gerade mitten in einem Kurs über Mediation – es ist nach meiner Rechnung der fünfte seit Beginn meines EPU-Lebens.
Mir wäre dementsprechend fad, aber ich muss eigentlich nur hier sitzen um die ECTS-Credits zu bekommen, also verstecke ich mich einfach hier hinter meinem Laptop und genieße den warmen Sonnenschein, der mir auf den Rücken scheint.

Es gibt eigentlich nicht allzu viel Neues.
Ich habe mich dazu durchgerungen mich bei ein paar verschiedenen Sachen zu bewerben. Das war ganz furchtbar schwer, weil ich mich nicht einschätzen kann. Und arbeitend kann ich mich mir auch nicht wirklich vorstellen.
Aber ich hab’ mich halt einfach mal beworben…
… als PR-Officer für eine NGO-Filiale in Juba (Südsudan)
… als Kommunikations-Praktikantin bei Care Österreich
… als Delegationsmitglied für die OSZE
… und außerdem liegt mein Lebenslauf jetzt bei RedR und bei Care International auf
Beim ICRC und für ein Praktikum beim UNHCR muss ich mich noch bewerben (die kann ich nicht abschicken, weil ich meine Zeugnisse und Diplome und das ganze andere Zeug nicht hier habe).
Jedenfall ist das alles ganz furchtbar schwierig…und furchterregend…und überhaupt.

In Anlehnung an Le – was habe ich sonst noch in den letzten Tagen gemacht?

- St. CocaCola’s Bau beaufsichtigt (so wirklich beteiligt war ich nicht, aber ich hatte trotzdem sehr viel Spaß)
- Für meine Deutschstunde die Ultimate-Spelling-Language-Lego-Challenge (TM) erfunden
- stundenlang erfolglos versucht mit meiner Zunge einen Knoten in einen Kirschenstengel zu machen
- mir mit Eric überlegt unter welchen Umständen „Am-Hintern-angrapschen“ eine erfolgreiche Aufriss-Taktik sein könnte
- zuviel Geld beim Einkaufen ausgegeben (böser Interspar)
- mich zum Halten einer Trainingssession verpflichtet
- mich als Organisatorin eines interkulturellen Abends zur Verfügung gestellt (und diese Entscheidung bereut)
- die arme Gabi in einem Rollenspiel aus ihrem Job gedrängt und in Verzweiflung gestürzt
- ganz, ganz, ganz, ganz viele Blogs kennengelernt und gelesen, die ich jetzt alle in meinem RSS-Feed habe und immer weiterlesen werde

Gestern speziell war ein cooler Tag -
- Wir haben am Nachmittag einen Persönlichkeits-Test gemacht – und Cary ist durchgefallen. („You are not fit to function in society.“ ^___^“"“)
- Ich habe mir ein paar neue Filme auf die Festplatte geholt
- Und abends, die Deutschstunde („Ick … libe du!“ – „Not quite – it’s ‘Ich liebe dich.’ “ – „But I want to say ‘I love you‘ “ – „Yes, and ‘dich’ means ‘you’.“ – „But I thought ‘du’ means ‘you’?“ – „It does.“ – - – Deutsch kann manchmal sehr grausam sein. Kaum hatten sie nämlich „dich“ akzeptiert, kam „Wie geht es dir?“)
- später bin ich mit Le noch herumgesessen und wir haben uns die Preisträger und Highlights der alljährlichen Bulwer-Lytton Fiction Awards, und der Lyttle Lytton Awards gegeben … ich hatte vor lauter Lachen schon Bauchweh.

Und heute in der Früh schau ich mir meine E-mails an und sehe, dass Eva gelungen ist, woran ich seit Tagen gescheitert bin: Sie hat „The Harlequin“ nicht nur gefunden, sondern gleich an uns weitergegeben.

Wie schon gesagt, das Leben ist schön!

06.04.07

Veröffentlicht in Lesen um 9:25 von deadra

„He was cold, standing in a wood, talking to a big black bird who was currently brunching on Bambi.
(…)
‘Hey,’ said Shadow. ‘Huginn or Muninn, or whoever you are.’
The bird turned, head tipped, suspiciously, on the side, and it stared at him with bright eyes.
‘Say „Nevermore“,’ said Shadow.
‘Fuck you,’ said the raven.“

„American Gods“ – Neil Gaiman

…es atmet !!!

Veröffentlicht in Erleben um 1:32 von deadra

Und wieder einmal hat es lange Zeit so ausgesehen als sei dieses Blog tot.
Aber – nein, auch dieses Mal handelte es sich lediglich um einen Anfall von Schreibfaulheit, gefolgt von einem Aufenthalt daheim. (Obwohl mir natürlich auch die Theorie gefallen hat, dass ich mein eigenes Luftschloss bestreike, bis ich eine eigene Shisha bekommen habe…^^)
Das Blog lebt also – auch wenn keiner mehr so recht daran glauben konnte (Wie einer von diesen Ums-Verrecken-nicht-sterben-wollenden Bond-villains, hehe).

Seit gestern abend befinde ich mich wieder hier in Schlaining, mit mehr Studienkollegen als jemals zuvor…und wir stürzen uns gemeinsam ins letzte Drittel der epischen EPU-Experience.

Dieses Mal ist auch die Le hier – und das finden wir beide dermaßen furchtbar, dass wir kaum noch aufhören zu grinsen und zu kichern ^_^
Aber surreal ist es schon. Jetzt sitzen wir nebeneinander in der „Klasse“, wohnen zusammen im Haus…es ist wie ein verdrehtes, sprachverwirrtes Déjà-vu!
Mit Le, meinen lieben Leuten aus den letzten beiden Trimestern, und – last but not least – mit der nagelneuen French Press für trinkbaren Kaffee, habe ich das Gefühl es könnte das tollste Trimester von allen werden ^___^

Was hat sich sonst so in meinem Leben getan, in den letzten Monaten?
- meine „Studio Ghibli“-Collection ist gewachsen (jetzt hab’ ich fast alle – und es erfüllt mich mit Freude ;-) )
- ich habe James Norrington zu schätzen gelernt (Entschuldigung für mein früheres Unverständnis an L!), auch wenn mein Herz natürlich auf immer und ewig Jack Sparrow gehört
- ich habe herausgefunden was passiert, wenn man Campari Orange in so eine Schlagobers-mach-Flasche (man beachte mein breites Fachwissen auf dem Gebiet ^^) reintut und schüttelt;

Außerdem lese ich gerade „American Gods“ von Neil Gaiman und wünsche mir ich wäre auch so genial und einfallsreich und cool wie er.