11.30.05
von gläubigen Möwen…
Heute, auf dem Weg von der Uni ins Stadtzentrum musste ich, wie immer am Brayford Pool (alter römischer Hafen) entlang. Ich gehe also und denk’ mir nichts Böses – und merke plötzlich, dass neben mir, auf dem Wasser, eine Möwe spaziert.
Kaum hatte ich die eine wahrgenommen wurde mir plötzlich bewusst, dass eigentlich am ganzen Pool Möwen standen.
Eine quasi-religiöse Erfahrung? Naja…in gweissem Sinne. Ich hätte nicht über dieses Wasser gehen können. Und das auch, aber nicht nur, aus mangelndem Glauben.
Das Tolle an dem ganzen Bild war nämlich, dass die Eisschicht am Pool so hauchdünn war, dass man sie nur ganz, ganz schwer sehen konnte. Von weitem sind die Möwen also tatsächlich übers Wasser gegangen.
… Ein schönes Bild. Nix besonderes, aber einfach irgendwie schön – und gerade surreal genug für den heutigen Tag.
11.29.05
hm
BBC NEWS | England | Somerset | Naked Marines ‘letting off steam’
Für eine Organisation, die so homophob ist wie die Armee, verbringen Soldaten scheinbar recht viel Zeit nackt mit körperbetonten Tätigkeiten… Nur so eine Beobachtung. ^^
11.28.05
Reality Bites
Es ist soweit. Gerade als ich dachte, ich hätte von Frauen-, Rassen-, Alters- und Klassentausch bis hin zu einem Dschungeltrip für Körperbehinderte alles gesehen, was die verrückte Welt des Reality-TV zu bieten hat. Nein, weit gefehlt.
Ladies and Gentlemen – ich bitte um eine Runde tosenden Applaus für (haltet euch fest…)
PRIEST IDOL
(ja, ernsthaft.)
Folgendes Szenario: Die kleine Gemeinde Lundwood (Yorkshire, Nordengland) leidet seit Jahren an akutem Glaubensschwund. Kaum jemand geht noch in die Kirche, und der alte Vikar hat aufgegeben. Das ist das Stichwort für Pater James McCaskill, einen idealistischen jungen Priester aus einer florierenden Gemeinde in Pittsburgh, Pennsylvania. Allein seine Schwierigkeiten mit Geordie (=örtlicher Dialekt) sind schon herrlich genug, aber nein – es handelt sich um einen Amerikaner mit einer Mission!!! (Ich weiß, genau das hat uns noch gefehlt…noch einer – aber dieser hier ist irgendwie herzig.)
Pater James wirft sich mit voller Energie in die Wiederbelebung seiner neuen Gemeinde. Sein Diakon stellt ihm zur Unterstützung eine professionelle Marketingfirma zur Verfügung. Und ab hier wird es erst richtig lustig.
Für die Weihnachtsmesse engagiert er den örtlichen Popchor – die Kirche ist voll solange der Chor singt, kaum beginnt die eigentliche Messe verschwinden die Jugendlichen geradezu fluchtartig das Gebäude. Der arme Pfarrer ist überrascht. Er tut mir Leid.
Daraufhin startet er mit seinen Marketingexperten eine große Re-Branding-Offensive.
An dieser Stelle bitte ich euch alle, euch an den Film „Dogma“ zu erinnern. „Buddy Jesus“? Genau, der.
Ihr dachtet der Film wäre eine überspitzte Satire? Eine unrealistische Komödie? Nein, der Film war visionär.
Innerhalb kürzester Zeit erscheinen in Lundwood Werbeplakate, Logos, Banner und T-shirts mit der wunderbaren Aufschrift:
„CHURCH LITE! – It’s good for you.“
So richtig in einem dynamischen Schriftzug auf einem blauen Hintergrund mit flauschigen Wölkchen und extra-Werbung drauf („Now 50% less stuffy!!!“, „More Conversation than Conversion!!!“) – zu dem Zeitpunkt musste ich dann schon so lachen…aber es ging noch weiter.
Was braucht jede groß angelegte Werbekampagne? Genau – FREEBIES!!!
In diesem Fall werden die armen freiwilligen Gemeindemitglieder dazu verdonnert nach einem kurzen Verkaufscoaching (Da kamen Erinnerungen hoch…furchtbar) in Lundwood von Tür zu Tür zu gehen und ihren ahnungslosen und ungläubigen Nachbarn speziell verpackte Glühbirnen („The Light of God“) und kleine Sprühfläschchen mit Weihwasser („The Holy Spritz“) aufzuzwingen.
Mit den Freebies kam je eine Einladung für die „Church-Party“…einen richtigen Launch für die neue „Church-Lite“, mit Babecue, Jongleuren und örtlichen Berühmtheiten.
Am Sonntag danach geht es dann so richtig los: Die erste neu gestaltete Messe (mehr Drama, mehr Show, ein Gospelchor und der Pfarrer in einer nagelneuen, schimmernden Robe) in der neu gestalteten Kirche. Mein persönliches Highlight der neuen Kirche ist der „Reflection Room“ – ein eigener Raum mit Polstern, Stoff an den Wänden, Lichterketten und (Duft-)Kerzen – also mehr oder weniger eine Chillout-Lounge, mitten in der Kirche.
Faszinierend, irgendwie…und surreal. „Church Lite“ eben … ^_^
11.27.05
Am Freitag lag mir auf dem Weg zur Uni folgendes im Weg:
1. Eine Wäscheleine
2. ein kleiner, blauer Fernseher
3. ein großer, schwarzer Fernseher
Nun stellt sich die Frage: Müll, oder göttliches Omen? (Wirf die Waschmaschine an und genieße einen faulen Fernsehnachmittag anstatt dich mit dem Prinzip der Souveränität von Staaten zu beschäftigen?)
Da ich eher agnostisch drauf war, bin ich auf die Uni gegangen. Aber Gott gab nicht auf. Die Fernseher liegen immernoch da. Das ist insofern interessant, weil die Wäscheleine verschwunden ist. Dabei habe ich, finde ich, mehr als genug ferngeschaut, meine Wäscheberge sind aber nicht wirklich geschrumpft. Von rechts wegen hätte ich heute auch noch über ein Bügeleisen stolpern müssen …
11.25.05
:(
Mr. Miyagi ist tot.
Niewieder „auftragen und polieren, auftragen und polieren“. Schade.
George Best ist auch tot…und England trauert. Ich trauere nicht. Dummheit braucht nicht auch noch Mitleid.
Was hat sich sonst noch getan? Nicht sehr viel, eigentlich. Nur eine Frage: Was ist denn mit Voldemorts Nase los? Hab’ ich da irgendwas vergessen/überlesen?
11.24.05
Herbst
Als hätte ich noch nicht bemerkt, dass Herbst ist. – Nein, gewissermaßen zur Erinnerung ist mir heute folgendes passiert:
Ich versuche einfach nur möglichst schnell nach Haus zu kommen, weil mir nämlich kalt ist. Mein Haargummi hat angesichts der Windböen schon lange kapituliert, was bedeutet, dass ich hauptsächlich nur noch brünett sehe. Bei einer Fußgängerampel mach ich mir dann die Mühe und kämpfe mit meiner Mähne, und kaum streiche ich mir die Strähnen aus dem Gesicht, rast ein großer Lastwagen vorbei. Und bevor ich das überhaupt richtig mitbekommen habe, fetzt mir der begleitende Luftzug ein riesiges, nass-kaltes. glitschiges, dreckiges Kastanienblatt mitten ins Gesicht. x.x
Nein, ich hab’ mir das nicht ausgedacht. Ich hab’ keinen so ausgeprägten Sinn für Slapstick.
Erkenntnis des Tages: Nasse, kalte, glitschige Kastanienblätter sind wäh.
11.23.05
Gewinnspiel
Eine der englischen Castingshows (ich schau’ sie mir manchmal an, weil alles besser ist als Corporate Strategic Comms und weil sich die Juroren gegenseitig mit Wasser überschütten – leider gab’s noch keine Stromschläge…schade) hat im Moment ein großes Gewinnspiel laufen. Es ist das übliche…beantworte per SMS eine erbärmlich einfache Frage und gewinne…was auch immer.
Am Ende der Staffel wird dann unter allen Teilnehmern der große Preis verlost. Und wenn ich nicht wüsste, wie die Chancen stehen, würd ich mitmachen:
Eine Reise für 4 Personen:
6 Nächte im Carlton in Cannes (das schönste Hotel der Stadt, direkt an der Croisette)
Ein Mittagessen im Colombe d’Or (Das Restaurant schaut von außen schon so toll aus…und es ist in einem der süßesten Dörflein überhaupt. Es ist super, und berühmt, und glamurös und bis unter die Decke vollgestopft mit moderner Kunst … und zwei Schritte vom unauffälligen Haupteingang ist ein total herziger Platz, wo urige ältere Herren Pétanque spielen. … Und überhaupt – es ist eines von diesen Restaurants, in denen ich unbedingt einmal essen will.)
Cocktails im Hotel du Cap (direkt am Cap D’Antibes – in einem absolut wunderbaren, großen Privatwald, mit eigenem Yachthafen und überhaupt so gut wie allem, was man sich im Paradies so vorstellt. Allein die Vorstellung…wenn man dort am Pool sitzt, kann man abends die Lichter von Nizza sehen. Und wenn der bestellte Cocktail nicht zu stark war, dann könnte man danach eigentlich problemlos noch weiter nach Juan les Pins fahren und feiern bis in die frühen Morgenstunden. An bestimmten Tagen im Sommer veranstalten sie dort die Kultur-Luxus Variante des Autokinos – das Yachttheater. Nein, kein Scherz – es gibt auch einen Yacht-Supermarkt.)
Shopping in Nizza (Allein die winzig kleinen Buchläden in den Nebenstraßen…von allen anderen Dingen ganz abgesehen. Uuuuhhhhh – toll, toll, toll, toll!!! Diesen Buchläden hab ich’s zu verdanken, dass ich begonnen habe auf Französisch zu lesen. „Largo Winch“ rulez! ^^ Ok…ich schäme mich nur ein ganz kleines bisschen)
Ein offener Rolls Royce als Transportmittel während der Woche (Ok…das müsst ich nicht haben. Aber warum eigentlich nicht. Solang er nicht peinlich ist…Meiner Meinung nach darf ein Rolls jede beliebige Farbe haben, solange es schwarz ist.)
und – und das ist überhaupt das beste: 1000 Pfund Taschengeld pro Person. (Haha…1000 Pfund… 1000 Pfund!!! Weil man damit an der Côte d’Azur ja sooo weit kommt, wenn man wirklich einkaufen will. Das bring ich allein schon am ersten Nachmittag an! Fnac beispielsweise ist nämlich in Cannes nicht einmal 5 Minuten vom Carlton entfernt. Ooooh, die Versuchung. Fnac, dann zu Lenôtre nebenan, dann wieder Fnac… ich müsste wohl den Rolls gegen einen Kleinlastwagen eintauschen, damit ich am Ende dieser Woche zum Flughafen komme.)
Ja…so lass ich mir eine Traumreise einreden. Wenn man sich den Termin dafür dann auch noch so aussuchen könnte, dass man im Mai dort ist…sagen wir, zwischen 17. und 28.? Ok, zugegeben, das ist nicht Teil des Preises…aber ich könnte auf den inkludierten Porsche verzichten, wenn ich dafür einen VIP-Pass für das Festival bekäme, mit Zugang zu allen Filmen.
11.22.05
FSM
Es ist mal wieder soweit – eine weitere ziellose Odyssee in die unendlichen Weiten des www. (Ich wollte mir eigentlich angewöhnen nur 2 Stunden am Tag mit den Nachrichten zu verbringen….aber ich komme vom 100sten ins 1000ste und land schließlich irgendwo jenseits von gut und böse.)
Meine neue Erkenntnis? Die vielleicht am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft der Welt:
THE CHURCH OF THE FLYING SPAGHETTI MONSTER (FSM)
Gegründed vom Propheten Robert Henderson als Gegenbewegung zu meiner allerliebsten Anti-Wissenschaft, dem Kreationismus.
Der FSM Lehre zufolge wurde die Welt vor etwa 4000 Jahren (Alter der ältesten uns bekannten Nudeln in China) von einem (unsichtbaren) Monster aus Spaghetti mit Tomatensauce und Fleischklößen erschaffen. Am Anfang war nicht das Wort sondern ein Berg, Bäume und ein Zwerg.
Die offizielle Kleidung die bei der Huldigung des FSM getragen werden muss, ist ein vollständiges Piratenoutfit. Dies geschieht unglücklicherweise nicht allzu oft – demenstprechend groß ist auch der Unmut des FSM. Wissenschaftliche Datein beweisen einen direkten Zusammenhang zwischen dem globalen Klimawandel und dem Rückgang in der Zahl der aktiven Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts.
Sonstige Einzelheiten? Gebete an das FSM enden nicht mit „Amen.“ sondern mit „Ramen.“. Das Monat Monat Oktober gilt offiziell als „Ramendan“. Der Prophet des FSM, seines Zeichens Physiker und (scheinbar) arbeitsloser Spielautomatentechniker, schreibt derzeit emsig an der FSM-Bibel. Für diejenigen unter den Gläubigen („Pastafarianer“), die nicht so lange warten können gibt es in der zwischenzeit T-shirts und Propagandaveranstaltungen, außerdem Jpegs, ein Flash-Game und Desktops. Ganz genaue Infos über das Dogma gibt es auf Uncyclopedia, für die offizielle Website einfach nur auf das Bild klicken:
Was soll ich sagen…irgendwie will ich so ein T-shirt. Mit dem Logo und „WWFSMD?“ drauf. … Egal.
Achja – das ist auch so eine Sache – WWFSMD? ist sowas wie die Lebensphilosophie der Religion – ein Alltagstest. Wenn man sich einem Problem gegenüber sieht, frage man sich einfach: „What would Flying Spaghetti Monster Do?“
11.16.05
Hm.
Heute ist wieder ein interessanter Tag.
Bin morgens aufgestanden und habe mich ins Atrium (Mischung aus Aula und Uni-Restaurant) gesetzt. Natalie hat mich aber leider versetzt – also saß ich eine ganze Weile dort (Man weiß nie, ob sie vielleicht einfach eine Stunde später auftaucht, weil sie einen verwirrten Tag hat. Um 11 hab ich dann ein SMS bekommen, dass sie um 10 nicht kommen kann, weil sie da einen Termin mit einem Prof hat. Es WAR ein verwirrter Tag). Das Artium ist kalt. Seeeehr kalt. Ich saß also mit Jacke und Handschuhen da und brach meinen eigenen Rekord im Peinlich-und-extra-langsam-Sudoku-Lösen.
Schließlich kam sie dann doch, zusammen mit dem Großteil meiner anderen Freunde – ein Kandidat für den Vorsitz der Conservatives hat sich nämlich heute die Ehre gegeben. Warum der nichts besseres zu tun hat als sich eine Stunde lang bei uns in den großen Hörsaal zu stellen weiß ich nicht…aber bitte. Es war auf jeden Fall interessant. Auch wenn ich mir ein bisschen fehl am Platz vorgekommen bin, in einem großen Saal, hauptsächlich voll mit Konservativen. (Die nennen mich immer alle „left-wing“ – das ist soo lächerlich. Die haben überhaupt keine Ahnung, was „left-wing“ ist…)
Mein persönlicher Höhepunkt war der Teil, als der gute Mr. Davis gesagt hat, dass er die Politik von Spin und Inszenierung befreien will…und zwar in allerfeinster Rhetorik und mit bis ins kleinste Detail einstudierter Gestik. – Ich mag Politiker, wenn sie sowas machen. ^^
Heut’ abend geh ich dann endlich nach langer, langer Zeit wieder mal ins „Jolly Brewer“ – ich freu mich schon. Es ist klein, vollgestopft, verraucht und eher schäbig – und ich gehe trotzdem gerne hin (nur nicht alleine).
Für all jene unter euch, denen ich dieses Pub zumindest schon mal beschrieben habe – hier eine lustige kleine Anekdote vom Montag:
Jonathan (1. Jahr Politik, hat das Pub noch nie betreten): „The Jolly Brewer? That Pub looks like the sort you’d go to if you were a neo-nazi or something.“
- Wir haben ihn einen Moment lang angestarrt und dann ausgelacht…der arme Kerl hat sich überhaupt nicht ausgekannt. Bis ihn dann jemand aufgeklärt hat, dass der Neonazi, der blöd genug ist ins Brewer zu gehen es vermutlich nicht mehr lebend verlässt. …
So gesehen würde ich eigentlich gerne alle Neonazis in Lincoln ganz herzlich einladen *g* – nur nicht heute Abend. Heute Abend will ich Musik hören.
Achja…die bisher schockierendste Erkenntnis des Tages ist, dass ich eine christliche (!!!) Rockband gefunden habe, die mir gefällt. Vielleicht ist es nur eine Phase. Naja…ich muss mir ja die wirklich schlimm religiösen Texte nicht antun…man muss nicht immer auf die Lyrics hören. – Wen’s interessiert, der klicke hier – mein Lieblingslied ist „Flood“, davon ist auch das Video online.
11.15.05
erm
Ok… Darf ich davon ausgehen, dass jeder Mark Twain kennt? Zumindest vom Hörensagen? Den interessanten Herren mit dem großen Ego und dem scharfen Witz?
Ich gehe einfach mal davon aus … und bei einer meiner ziellosen Touren durch die unendlichen Weiten des WörldWeidWebb (während einer intensiven Suche nach seiner Kaiserlichen Hoheit Norton I der Vereinigten Staaten, für diejenigen, wie eine wirklich herzige Geschichte lesen wollen) bin ich auf etwas gestoßen, das ich vom Herrn Twain so sicher nie erwartet hätte.
Also, wer sich darauf einlassen will, und – von Rechts wegen sollte ich hinzufügen – wer volljährig ist, der klicke hier. Aber seid gewarnt…für den Inhalt dieser Seite ist einzig und allein Mr. S. Langhorne Clemens selbst verantwortlich. (Mir ist jetzt schon peinlich, dass ich das tatsächlich poste…)
